Altersvorsorgereform 2027: Was sich für Ihre private Vorsorge ändert

Die private Altersvorsorge in Deutschland wird ab 2027 neu geregelt. Die Reform ist beschlossen und soll die bisherige Riester-Rente durch ein moderneres, flexibleres Fördersystem ersetzen.

Für viele Sparerinnen und Sparer stellt sich deshalb jetzt die Frage: Was ändert sich konkret? Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen? Und lohnt es sich, mit der Altersvorsorge bis 2027 zu warten?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Warten ist selten die beste Strategie. Aber es lohnt sich, die eigenen Möglichkeiten jetzt genauer zu prüfen.

Warum wird die Riester-Rente reformiert?

Die Riester-Rente hat die Erwartungen vieler Menschen nicht erfüllt. Viele Verträge waren kompliziert, teuer oder durch hohe Garantievorgaben nur eingeschränkt renditestark.

Gleichzeitig bleibt die gesetzliche Rente für viele Menschen allein nicht ausreichend, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.

Deshalb soll die geförderte private Altersvorsorge ab 2027 einfacher, flexibler und renditeorientierter werden. Ziel ist es, mehr Menschen beim privaten Vermögensaufbau für das Alter zu unterstützen.

Was ändert sich ab 2027?

Die Reform bringt mehrere wichtige Neuerungen. Besonders relevant sind drei Punkte:

1. Neue staatliche Förderung

Die Förderung soll künftig einfacher und stärker an den eigenen Einzahlungen orientiert sein.

Nach dem neuen Modell gibt es für eigene Sparbeiträge eine staatliche Förderung. Für Beiträge bis 360 Euro jährlich ist eine Förderung von 50 Cent pro eingezahltem Euro vorgesehen. Für Beiträge oberhalb von 360 Euro bis insgesamt 1.800 Euro jährlich gibt es 25 Cent pro Euro.

Damit kann die maximale Grundzulage künftig bis zu 540 Euro jährlich betragen.

Auch für Familien bleibt die Förderung interessant: Der Kinderzuschlag von 300 Euro jährlich kann bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro erreicht werden.

Das macht die Förderung transparenter: Wer selbst etwas einzahlt, erhält zusätzlich staatliche Unterstützung.

2. Neues Altersvorsorgedepot mit mehr Renditechancen

Ein zentraler Bestandteil der Reform ist das neue Altersvorsorgedepot.

Damit sollen künftig auch kapitalmarktorientierte Lösungen möglich sein, zum Beispiel mit Aktienfonds oder ETFs. Der große Unterschied zu vielen bisherigen Riester-Produkten: Es soll auch Varianten ohne klassische Beitragsgarantie geben.

Das kann langfristig höhere Renditechancen eröffnen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass Wertschwankungen stärker ausgehalten werden müssen.

Neben dem Altersvorsorgedepot ohne Garantie sollen auch Produkte mit Garantien möglich sein, etwa Varianten mit vollständiger oder reduzierter Beitragsgarantie. Damit können Sparer künftig stärker zwischen Sicherheit und Renditechancen wählen.

3. Neue Möglichkeiten für Selbstständige

Eine wichtige Neuerung betrifft Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende.

Viele von ihnen konnten bisher nicht oder nur eingeschränkt von der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge profitieren. Ab 2027 soll sich das ändern.

Damit wird die geförderte Altersvorsorge für eine größere Zielgruppe geöffnet. Gerade für Selbstständige kann das ein wichtiger Baustein sein, um die eigene Altersvorsorge besser aufzustellen.

Sind schon alle Details geklärt?

Die Reform ist beschlossen. Einzelne Details zur konkreten Ausgestaltung der neuen Produkte müssen jedoch noch über Verordnungen geregelt werden.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Die Richtung ist klar, die konkreten Angebote der Anbieter werden aber erst nach und nach sichtbar.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt.

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, kann diesen grundsätzlich weiterführen. Ab 2027 können jedoch keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden.

Für bestehende Verträge bedeutet das: Es gibt keinen unmittelbaren Handlungszwang. Trotzdem kann eine Überprüfung sinnvoll sein.

Denn nicht jeder alte Vertrag passt automatisch noch zur heutigen Lebenssituation. Entscheidend sind unter anderem Kosten, bisherige Entwicklung, Garantien, Förderanspruch und die persönliche Planung bis zum Ruhestand.

Sollte man mit der Altersvorsorge bis 2027 warten?

Aus unserer Sicht: nicht grundsätzlich.

Die neuen Produkte starten zwar erst ab 2027. Das bedeutet aber nicht, dass man die eigene Altersvorsorge bis dahin ruhen lassen sollte.

Wer heute bereits Vermögen aufbaut, verliert keine Zeit. Gerade bei langfristigen Sparzielen ist Zeit ein entscheidender Faktor. Je früher man beginnt, desto länger kann das Kapital arbeiten.

Die Reform kann ab 2027 eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie ersetzt aber nicht die grundsätzliche Frage, wie die eigene Altersvorsorge heute aufgestellt ist.

Für wen ist die Reform besonders interessant?

Die Altersvorsorgereform 2027 kann vor allem für folgende Gruppen wichtig werden:

  • Menschen, die bisher keinen Riester-Vertrag abgeschlossen haben

  • jüngere Sparerinnen und Sparer mit langem Anlagehorizont

  • Personen mit Interesse an ETF- oder fondsbasierten Vorsorgelösungen

  • Selbstständige und Freiberufler

  • Familien mit Kindern

  • bestehende Riester-Kunden, die ihren Vertrag überprüfen möchten

  • Berufstätige mit regelmäßigem Sparpotenzial

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt jedoch immer von der persönlichen Situation ab.

Unser Fazit

Die Altersvorsorgereform 2027 ist ein wichtiger Schritt für die private Vorsorge in Deutschland. Sie bringt mehr Flexibilität, neue Fördermöglichkeiten und erstmals auch stärker kapitalmarktorientierte Altersvorsorgeprodukte.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Es entstehen neue Chancen. Gleichzeitig wird die Entscheidung nicht automatisch einfacher.

Ob ein bestehender Riester-Vertrag weitergeführt werden sollte, ob ein neues Altersvorsorgedepot ab 2027 interessant wird oder ob bereits heute andere Vorsorgelösungen sinnvoll sind, hängt von Einkommen, Alter, familiärer Situation, Risikobereitschaft und persönlicher Lebensplanung ab.
Wer gut vorbereitet sein möchte, sollte die eigene Altersvorsorge deshalb frühzeitig prüfen.

Sie möchten wissen, welche Möglichkeiten heute bereits zu Ihrer Situation passen und welche Rolle die neue Altersvorsorgereform ab 2027 für Sie spielen könnte? Wir beraten Sie gerne – persönlich vor Ort oder digital.

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